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Abfallverwertung Pamukova/Türkei

Pamukova ist ein Bezirk der Sakarya Provinz im Nordwesten der Türkei. Die gleichnamige Stadt zählt 15.000 Einwohner. Das Umland ist besonders durch die Landwirtschaft geprägt. Zu den pflanzlichen Reststoffen fallen hier vor allem Abfälle aus Rindermast und Geflügelzucht an.

Das Projekt wurde von der Firma BioSun zunächst für den Taseli-Gemeindeverband (inzwischen 13 Gemeinden) entwickelt, der in einem Gebiet mit besonderen ökologischen Anforderungen liegt. In dieser SEPR (Special Environmental Protection Region) haben die verantwortlichen Körperschaften nach einer angemessenen Lösung ihrer kommunalen Abfallprobleme gesucht. Die landwirtschaftlichen Abfälle sollen zusammen mit der Organik aus dem Hausmüll verarbeitet werden. Mehrere Gemeinden des Bezirks haben sich dem Projekt angeschlossen. Der Einzugsbereich der Anlage umfasst ca. 100.000 Einwohner.

Das Konzept stellt sicher, dass Abfall zum größten Teil wieder verwertet, biogene Fraktionen mechanisch-biologisch behandelt und die Mengen, die in Deponien gelangen, drastisch reduziert werden. Besonderes Augenmerk lag daher in der Konzeption der wirtschaftlichen Machbarkeit.

Der Ansatz integriert die umwelttechnisch, sozial und betriebswirtschaftlich sinnvollsten Abfallbehandlungstechnologien. Den Gemeinden wird die Möglichkeit gegeben, das Projekt durch Public-Private-Partnership zu verwirklichen.

Nachdem die Planungen 2008 vom Gemeinderat gebilligt wurden, konnte mit der Realisierung des Projektes begonnen und im März 2012 in Betrieb gegangen werden. Als von BioSun – Hexagon bestelltes Projektplanungsbüro arbeitete enCO2 zur verfahrenstechnischen Umsetzung des Projektes mit mehreren Technologielieferanten zusammen.

Bei der eingesetzten Technologie handelt es sich um ein “Integriertes Abfall Management”, das nach folgenden Abschnitten verläuft:

  • Mülltrennung durch die Gemeinde
  • Positive Sortierung der Wertstoffe aus den nicht-organischen Feststoffabfällen und Wiederverwertung (Wertstoffproduktion)
  • Negative Sortierung der Störstoffe im organischen Abfallstrom und anaerobe Behandlung der organischen Fraktion (Biogasproduktion)
  • Umwandlung des Biogases zu elektrischer und thermischer Energie (Energieproduktion)
  • Verwendung der Thermalenergie zu 50% im eigenen Kühlhaus für die Lagerung der lokalen landwirtschaftlichen Produkte (Aufbewahrungsdienstleistung)

Dieses Verfahren lässt eine besonders genaue Trennung von den organischen und den inerten und toxischen Bestandteilen zu. Grund dafür ist die Vorsortierung, bei der der gesamte Stoffstrom in Wasser suspendiert und durch ein leistungsstarkes Rührwerk aufgeschlossen wird. Die Größe der verbleibenden organischen Partikel beträgt unter 10 mm, während Kunststoffe praktisch unverändert bleiben.

Der entstehende Schlamm wird gesiebt, damit die Bestandteile mit hoher Dichte einfach durch die Schwerkraft abgetrennt werden. Als Resultat erhält man Kompost von außerordentlicher Qualität und Reinheit, der die gesetzlichen Grenzwerte für Boden kontaminierende Giftstoffe (wie Blei, Quecksilber und andere Schwermetalle) sowohl nach den Richtlinien der EC als auch der U.S.-amerikanischen EPA bei weitem unterschreitet.

Wirtschaftlich nutzbar sind somit Wertstoffe (Glas, Metall, Kunststoffe), Biogas, Biokompost und NPK-Dünger und der Verkauf von Emissionsrechten (Einsparung von Klimagasen auf der Deponie sowie durch die regenerative Produktion von Strom und Kälte). Rest-Abfälle werden durch das Verfahren auf 22% verringert und damit in einem grossen Umfang auch Deponiekosten gespart. Durch weniger Abfälle verringert sich auch die Umweltgefährdung durch Methanbildung auf der Deponie und es entstehen keine hohen Folgekosten für den Betrieb.

Nach dem Prozess können die Gäreste wieder dem Ökokreislauf zugeführt werden.

Für die im BioTech-Verfahren verarbeiteten Kunststoffe bietet sich der Weg zur Energieproduktion an, der bisher in der Region aber noch nicht entwickelt ist. Sobald ein Verbund mehrerer Kommunen über ausreichend Mittel verfügen wird, in Anlagen zur Transformation von Kohlenstoffquellen in Dieseltreibstoff zu investieren, werden die Kunststoffe ebenso gewinnbringend verwertet werden können wie der Energiegehalt der biologischen Abfälle.

Die Anlage in Pamukova ist für eine Kapazität von 40.000 t/a konzipiert. Vermarktet werden jährlich:

  • 8,47 GWh Strom
  • 6,925 GWh Wärme
  • 6,14 t organische Düngekonzentrat
  • 12.000 t Kompost
  • 10.000 t Kühllagerung landwirtschaftlicher Produkte
  • 13.799 t Wertstoffe

Etwa 4000 türkische Gemeinden stehen durch die Gesetzgebung im Bereich der Abfallwirtschaft unter Zugzwang. Aus Systemen einfacher Abfallentsorgung sollen künftig moderne Müllmanagement-Konzepte entstehen. Weitere Gemeinden haben inzwischen angefragt.

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